Ich schreib ganz für mich – Tipps zum Führen eines Tagebuchs

 

» Praktische Tipps und Anregungen, die Lust machen, selbst ein Tagebuch zu führen. Um damit zu starten oder einfach wieder zu beginnen.  «

Wer Tagebuch schreibst, versteht sich besser, trifft bessere Entscheidungen und lebt einfach bewusster.

Hier möchte ich dir Lust machen auf dieses extrem wirkungsvolle Selbstcoaching-Instrument.

Du findest hier alles, was du brauchst: praktische und kreative Tipps für dein Tagebuch.

3 Gründe für ein Tagebuch

“Ein Tagebuch schreiben ist fotografieren mit einem Bleistift.”

Unbekannt

Ein Tagebuch zu führen, ist eine wundervolle Möglichkeit zur Selbstreflektion und Selbsterkenntnis. Und damit ist es ein exzellentes Mittel zur aktiven Lebensgestaltung. In einem Tagebuch schreiben wir über uns und unser Leben und dabei können wir sehr viel über uns, unser Verhalten und auch über unsere “blinden Flecken” lernen.

Du lebst bewusster

Indem wir notieren, was wir erleben und was uns bewegt, empfinden wir vieles bewusster. Und das kann gerade für Menschen, die das Gefühl haben, dass die Zeit an ihnen vorbeirenne, sehr wohltuend sein. Auch lassen sich später Geschehnisse leichter zurückverfolgen (und verstehen).

Du entlastet dich selbst

Gerade in schwierigen Zeiten oder Krisen kann das Tagebuch eine sehr große Hilfe bieten, indem man sich alles von der Seele schreiben kann. Schreibend nachzudenken, ist etwas ganz anderes, als wenn wir Themen nur in unserem Kopf bewegen. Aber auch in ganz “normalen” Phasen kann es sehr gut tun, über sich zu schreiben.

Du erschaffst und bist kreativ 

Darüber hinaus ist das Schreiben selbst für viele Menschen eine schöne und gewinnbringende Tätigkeit. Schreiben ist ein kreativer und schöpferischer Prozess.

>Empfehlung: Meine besten Tipps und Methoden, um als Mensch wirklich vom Tagebuchschreiben zu profitieren<

15 Ideen – Worüber schreibt man denn da?

Menschen, die bisher noch nie ein Tagebuch geführt haben, sind oft unsicher, worüber sie schreiben sollen.

Das aber ist ganz einfach: über genau das, was dir durch den Kopf geht: du kannst aufschreiben …

  • was um dich herum passiert,
  • was du denkst,
  • was du fühlst,
  • was du mit anderen Menschen erlebst,
  • was du glaubst,
  • was du hoffst,
  • was du dir erträumst,
  • welche Ziele du hast,
  • welche Enttäuschungen du erlebst,
  • was du ändern möchtest,
  • worüber du glücklich und dankbar bist,
  • was du gelernt hast,
  • was dir gefällt,
  • was du nicht magst,
  • über Veränderungen

Kurz und gut: Du kannst über alles schreiben! Du brauchst nichts zu unterdrücken, nichts muss dir peinlich sein – denn dein Tagebuch ist ganz allein für dich selbst bestimmt.

Extra-Tipp

Achte darauf, dein Tagebuch so wegzulegen, dass niemand in die Versuchung kommt, hineinzuschauen.

4 Ideen – Worin schreibe ich am besten?

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, Tagebuch zu schreiben. Hier habe ich vier bewährte Ideen für dich. 

  • klassisches Tagebuch – Suche dir aus den vielen Blankobücher mit und ohne Schloss eines aus, das dir gut gefällt. Achte nur darauf, dass es nicht “zu edel” oder “zu teuer” ist. Es fällt nämlich oft schwer, solche Bücher auch wirklich voll zu schreiben.
  • Kalender – Es gibt Kalender, die viel Raum für persönliche Notizen bieten und die man auf diese Weise gut als Tagebuch nutzen kann. Der Vorteil ist, dass man durch die Tagesstruktur ein bisschen “diszipliniert” wird, regelmäßig zu schreiben. Der Nachteil ist, dass oft der Platz nicht reicht, wenn man mal etwas mehr schreiben möchte (hier kannst du ggf. Zettel einlegen).
  • Lose Blätter – Du kannst natürlich auch einfach lose Blätter nutzen, um regelmäßig für dich etwas zu notieren. Eine Idee hier ist, Tagebuch in Briefform zu schreiben – also an einen realen oder ausgedachten Adressaten. In einem schönen Ordner oder auch in einem passenden Karton kannst du die Blätter gut aufheben. Der Vorteil hier ist, dass du was den Platz angeht, vollkommen frei bist. Denke hier immer daran, das Blatt mit einem Datum zu versehen, damit du später nachvollziehen kannst, wann du was geschrieben hast.
  • Am PC – Du kannst selbstverständlich auch den PC nutzen, um ein Tagebuch zu führen. Entweder legst du dir dazu eine Datei in deinem Textverarbeitungsprogramm an oder du nutzt die Möglichkeit der so genannten “Weblogs”. Weblogs sind Tagebücher im Internet – Du kannst hier “öffentlich” schreiben oder auch nur für dich. Zu beachten ist hierbei, dass das Schreiben an der Tastatur für viele Menschen einen großen Unterschied im Vergleich zum Schreiben mit der Hand macht – man schreibt “anders”. Probier aus, was am besten für dich passt.

Es gibt noch andere Möglichkeiten – kreative Tipps dazu findest du weiter unten) Überleg dir, was dir am meisten Lust macht und probier einfach verschiedenes aus. 

Wann schreibe ich Tagebuch?

Die beste Zeit zum Tagebuchschreiben findet am besten jeder selbst für sich heraus. Es gibt weder “richtig” noch “falsch”. Der eine schreibt am liebsten morgens zum Start in den Tag, eine andere am liebsten am Tagesende als abschließendes Resümee. Manch einer schreibt regelmäßig, andere unregelmäßig, z.B. immer dann, wenn etwas Besonderes passiert ist.

Was mache ich dann mit den Texten?

Wenn man Tagebuch führt, kann sich schnell eine ganze Menge an Texten, Büchern, Zetteln und Notizen ansammeln. Was macht man damit?

Ich rate dazu: in jedem Fall erst einmal aufheben. Es kann sehr spannend und auch erhellend sein, nach vielen Jahren die Aufzeichnungen von damals zu lesen. Auch kann man mal etwas nachschlagen, wenn einem Zusammenhänge nicht mehr so klar sind.

Hin und wieder ist es aber auch sinnvoll, sich von geschriebenen Texten zu befreien. Dann z.B. wenn wir etwas wirklich los- und hinter uns lassen wollen. Aber sei vorsichtig: Texte, die du geschrieben hast und vernichtet, lassen sich nicht wieder herstellen.

Wichtig: Nur kein Zwang!

Ganz wichtig ist, das Tagebuchschreiben nicht als Zwang, sondern als Chance zu sehen. Du mußt auch nicht jeden Tag etwas eintragen – aber denk zumindest möglichst einmal täglich daran, dass du es tun könntest.

Wie viel du schreibst, bleibt ganz dir überlassen. Manchmal ist es nur ein Satz – oder vielleicht auch nur ein Wort. Dafür schreibst du vielleicht beim nächsten Mal gleich mehrere Seiten. Lass zu, was kommt.

Fordere auch nicht von dir selbst, “korrekt” oder besonders “schön” zu schreiben. Du schreibst Tagebuch ganz für dich allein – da ist es vollkommen egal, ob du Fehler machst, wie deine Schrift aussieht oder wie du formulierst. Je freier du einfach drauflos schreibst, desto besser.

Nachdem es im ersten Teil dieses Artikels um das Tagebuchschreiben allgemein ging, möchten wir dir hier noch einige Ideen vorstellen, wie man so ein Tagebuch auch ganz kreativ führen kann.

Alles andere als langweilig

Beim klassischen Tagebuch schreibt man unter dem jeweiligen Datum, was man erlebt hat oder was einem durch den Kopf geht – und zwar meist in ausformulierten Sätzen, also als Fließtext.

Wem das nicht zusagt oder zu langweilig erscheint, der hat aber auch noch ganz andere Möglichkeiten:

Schreiben, so wie es gefällt

Schreiben muss nicht immer heißen, vollständige Sätze zu verfassen, so wie wir es in der Schule gelernt haben. Du kannst z.B. auch einfach nur in Stichworten schreiben. Notiere dir einzelne Begriffe, Fragmente und Satzteile, genau so, wie sie dir gerade in den Sinn kommen. Du kannst dafür das ganze Blatt verwenden, also ruhig kreuz und quer auf einer Doppelseite oder dem Papierbogen schreiben.

Erlaube dir in deinem Tagebuch das spontane Schreiben:

  • Du darfst Fehler machen,
  • Du darfst kritzeln,
  • Du darfst durch-
  • und unterstreichen,
  • Du darfst ganz klein
  • und ganz groß schreiben,
  • mit links
  • und mit rechts,
  • Du kannst Seiten leerlassen
  • oder proppevoll schreiben.

So macht dein Tagebuch dich kreativ 

Auch Kreativitätstechniken lassen sich sehr gut zum Tagebuchschreiben nutzen. Es gibt darunter Schreibmethoden, die sehr anregend sind, wie z.B. das Mind Mapping.

Genauso gut kannst du das so genannte “Automatische Schreiben” nutzen, also ohne Punkt und Komma und ohne Unterbrechung für eine festgesetzte Zeit schreiben.

Oder wie wäre es mit dem Clustern? Hierfür notierst du ein beliebiges Wort in der Mitte der Seite und malst eine “Blase” darum. Notiere dann die Begriffe, die dir spontan zu dem Ausgangswort einfallen und male auch um diese jeweils eine Blase. Von jedem Begriff aus kannst du neu assoziieren. Das klingt in der Theorie vielleicht etwas seltsam – aber probier es einfach einmal aus!

Mit solchen Clustern kann man sehr gut momentane Stimmungen erfassen. Du kannst die Cluster einfach so stehen lassen oder sie auch z.B. zu Gedichten weiterverarbeiten.

Du kannst auch hin und wieder ganz systematisch schreiben, indem du z.B. Listen füllst (“10 Dinge, die ich tun kann, damit es mir besser geht” oder “10 Sachen, die ich noch erreichen will”).

Alles ist möglich

Das Wichtigste ist: einfach alles ist erlaubt! Du wirst sehen: je freier du dich selbst schreiben lässt und je spontaner du auf das eingehst, was gerade in dir ist bzw. was aus dir heraus will, desto gewinnbringender wirst du aus dir schöpfen können.

Wichtig ist vor allem, dass du dich nicht zensieren. Schreib auch “Blödsinn” auf, lasse die vielen, ganz unterschiedlichen Stimmen in dir Ausdruck finden.

Extratipp

Nutze verschiedene Farben zum Schreiben. So kannst du z.B. deinen unterschiedlichen Grundstimmungen Farben zuordnen (und siehst später auf einem Blick, wie du dich wann gefühlt hast) oder du machst die Sache einfach nach Lust und Laune bunt.

Tief berührt mit dieser kreativen Alternative

Statt immer nur zu schreiben kannst du auch zeichnen oder malen!

Skizziere z.B., was du erlebt und gesehen hast. Drücke deine Gefühle in Bildern oder Farben aus. Nutze kleine Symbole, um deine Texte farbiger und lebendiger zu gestalten.

Das Zeichnen oder Malen fällt vielen Menschen leider noch schwerer als das Schreiben. Hier sind viele fest davon überzeugt, es “nicht zu können”. Aber: Sie brauchen auch gar nicht malen oder zeichnen zu können, um es zu tun. Hier geht es ja nicht darum, “tolle” Bilder zu erstellen, sondern es geht um Möglichkeiten des Selbstausdrucks.

“Schmiere” ruhig einfach nur mit Farben herum, wenn dir danach ist. Zeichne genauso, wie du es kannst, egal wie krakelig auch immer das Ergebnis ist. Denke daran: das alles ist nur für dich bestimmt und für niemand anderen.

Mehr als deine Notizen: diese Art des Tagebuchs

In deinem Tagebuch kannst du auch Sachen sammeln, die dich berührt haben, wie z.B. Gedichte, Textpassagen, Aussprüche o.ä.

Oder du nutzt Fotos, Bilder aus Zeitschriften, Erinnerungsstücke wie Eintrittskarten, Postkarten oder ähnliches. Auf diese Weise lassen sich ganze Collagen mit inspirierenden Sachen erstellen!

Wichtig auch hier nur ist: geh nicht mit einem künstlerischen Anspruch an die Sache heran, sondern mach das, wonach dir spontan der Sinn steht. Es geht nicht darum, die Sache besonders “gut” zu machen, sondern darum, dass du dich ausdrückst.

5 weitere Arten von Tagebüchern

Neben dem persönlichen Tagebuch kannst du natürlich auch noch ganz andere Tagebücher führen, wie z.B.:

  1. Ein Partnerschaftstagebuch – Ein Tagebuch für deine Beziehung. Hier kannst du und dein Partner/in hineinschreiben, was ihr aneinander liebt und schätzt, wo ihr Probleme seht, was besprochen werden muss, was ihr gemeinsam erlebt, was ihr euch voneinander wünscht und alles, was ihr euch noch mitteilen wollt.
  2. Ein Schwangerschaftstagebuch – Diese aufregende Zeit in einem Buch zu verewigen ist nicht nur für dich als Mutter bzw. Eltern lohnenswert, sondern auch dein Kind wird später ganz sicher daran Gefallen finden.
  3. Ein Haustiertagebuch – Mit Tieren kann man viel erleben – schreib es auf!
  4. Ein Zielerreichungs-Tagebuch – Gerade bei größeren Zielen kann es sehr hilfreich sein, den Prozess zu dokumentieren.
  5. Ein Veränderungstagebuch – Bei großen Umbrüchen, wie z.B. Umzügen, Trennungen o.ä. tut es gut, sich alles von der Seele zu schreiben.

Tagebuchschreiben kann in deinem Leben einen entscheidenden Unterschied machen. Du wirst reflektierter, bewusster und stärkst deine Beziehung zu dir selbst. 

Wenn du das möchtest, dann mach jetzt gleich den ersten Schritt. Nimm dir einen Stift und ein Blatt Papier leg los. 

Literaturtipps

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