Deine Komfortzone verlassen – trotz der Angst

 

» Die Komfortzone kann gefährlich sein. Wer sich entwickeln will, muss raus aus der Komfortzone - trotz der Angst. Dieses Modell zeigt dir wie es gehen kann.  «

Wie kannst du etwas in deinem Leben ändern, obwohl du davor eine Heidenangst hast?

Und wie kannst du trotz deiner Angst ins Handeln kommen?

Es gibt dafür keine Patentlösung.

Aber eine simple Strategie, mit der es dir viel leichter fallen kann.

Das Zuhause namens Komfortzone

Wir alle haben unsere sogenannte Komfortzone. Also den Bereich, in dem wir uns sicher und wohl fühlen. Und wir verlassen diesen Bereich meistens nur ungern.

Manchmal kommst du im Leben aber in Situationen, die dich vor eine Herausforderung stellen. Situationen, wo du dich entscheiden musst: Bleibe ich in meiner Komfortzone, oder wage ich den Schritt heraus? Wage ich die Veränderung?

Die Komfortzone ist echt schwer zu verlassen. Der sichere Job, die eingespielte Partnerschaft, das bereits zur Hälfte finanzierte Haus …

Das machst du nicht eben mal so mit links. Angst davor zu haben ist mehr als verständlich. Weil keiner von uns gerne etwas verliert. Und „raus aus der Komfortzone“ bedeutet „Risiko“. Da ist es nur logisch, dass es dir schwerfällt, deine Komfortzone zu verlassen.

O. k., manche Menschen verlassen ihre Komfortzone lieber als andere. Weil jeder von uns eine andere Einstellung zum Risiko hat. Manch einer spielt gern und sucht das Risiko. Der andere geht lieber auf Nummer sicher. Auch du hast da deine eigene „Voreinstellung“.

Komfortzone = goldener Käfig?

Die Komfortzone bietet dir ja auch viele Sicherheiten und lieb gewonnene Gewohnheiten. Warum solltest du das alles für die Ungewissheit aufgeben? So à la: Tausche gemütliches Leben gegen „keine Ahnung, was da kommt“?

Nee, das wäre ja dumm.

Aber willst du immer so weitermachen wie jetzt?

Kannst du dir das wirklich vorstellen …?

Autsch – die Frage kann ganz schön in die Tiefe bohren.

Eigentlich eine Frage, die sich viele von uns nicht so gerne stellen möchten. Die ehrliche Antwort darauf könnte Angst machen …

Was, wenn du nicht so weitermachen willst?

Wenn du zu dem Ergebnis kommen solltest: Eigentlich weiß ich, dass ich so nicht weitermachen kann und will …

Dann merkst du vielleicht auch gleich, wie dir bei dem Gedanken schon das Herz in die Hose rutscht …

  • weil du dich vielleicht einfach nicht traust, das wirklich zu machen
  • weil du Angst hast, damit einen großen Fehler zu begehen
  • weil du das Risiko grundsätzlich meidest wie der Teufel das Weihwasser
  • weil dich die Unsicherheit nachts nicht schlafen lässt
  • weil du am liebsten die Veränderung möchtest, aber ohne Risiko oder Schmerz

Aber wenn du erstmal an dem Punkt angelangt bist, wo du denkst: „Eigentlich möchte ich das so nicht mehr …“, ab diesem Moment ist der Ring eröffnet.

Der Ring für den Kampf zwischen deinem Wunsch nach Sicherheit und deinem Wunsch nach Veränderung.

Und wenn du nicht so weitermachen willst wie bisher, dann bedeutet das für dich im Klartext: Du musst deine Komfortzone wohl bald verlassen.

Aber wie sollst du das bloß anstellen?

Angst führt zu Selbstsabotage

Wenn du Angst davor hast, deine Komfortzone zu verlassen, führt das oft zu Verhaltensmustern, die dich nicht weiterbringen:

  • das ängstliche Verweigern – tief in dir drinnen möchtest du Veränderung. Aber du hast so viel Angst vor der eigenen Courage, dass du deine Wünsche lieber mit allen Mitteln unterdrückst und unglücklich bleibst.
  • das gekonnte Ignorieren – du weißt, dass du die Veränderung möchtest. Aber du hast Angst vor den Konsequenzen. Also lieber nicht weiter darüber nachdenken. Lieber vergessen. Und weiter davonlaufen.
  • das unendliche Verschieben – du siehst den Wunsch nach Veränderung, denkst dir aber: „Das läuft mir ja nicht weg. Ich kann das ja nächste Woche/nächsten Monat/nächstes Jahr immer noch angehen.“ Aber irgendwann ist der Zug vielleicht abgefahren.
  • das ewige Gejammer – du bist unzufrieden, rührst aber selbst keinen Finger, sondern wartest lieber, dass dir die gebratenen Tauben ins Maul fliegen. Alle anderen sind für dein Glück zuständig, nur du selbst nicht.
  • das luftige Träumen – du schmiedest große Pläne und redest gern und viel darüber. Aber nach dem Reden tut sich bei dir nur noch wenig bis gar nichts. Das Träumen ist deine Zuflucht, aber handeln tust du nicht.
  • das perfekte Vorbereiten – du wälzt Bücher und belegst Seminare und schmiedest Pläne über Pläne. So hast du zwar das Gefühl, etwas zu tun, aber bleibst dennoch immer nur in deinem sicheren Bereich.
  • das wilde Umherspringen – einen Tag möchtest du dies und morgen schon wieder was ganz anderes. Jeden Tag läufst du in deine neue Lieblingsrichtung. So fängst du immer nur an, gehst aber nie weiter. Und am Ende drehst du dich im Kreis.

Das alles sind Verhaltensmuster, die dafür sorgen, dass du dich selbst in Sicherheit wiegen kannst. Und die verhindern, dass du aus deiner Komfortzone rauskommst.

In der Komfortzone aus Verlustangst

Vielleicht hast du dich da in dem einen oder anderen Verhalten wiedererkannt.

Das ist aber nicht so schlimm. Das sind ja Verhaltensweisen, die dich schützen sollen. Also eigentlich ja was Gutes. Sie stehen dir halt nur im Weg, wenn du wirklich Veränderung möchtest.

In deiner Komfortzone zu bleiben hat seine Berechtigung. Du darfst ruhig da bleiben. Niemand kann dich zwingen rauszugehen, für dein Glück zu kämpfen und dir dabei eine blutige Nase zu holen.

Entscheidend ist an der Stelle dein Anspruch an dich selbst.

Ob du sagst: „Ich möchte lieber ein ruhiges Leben, ohne viel Kampf und Unsicherheit.“ Das ist vollkommen legitim. Ganz im Sinne von „Reich ist der, der arm an Wünschen ist“.

Oder ob du sagst: „Ich möchte mehr vom Leben und dafür nehme ich auch Stolperer, blaue Flecken und Schmerzen in Kauf.“

Wenn du eher zum Letzteren tendierst, dann stellt sich dir zwangsläufig die Frage:

„Wie schaffe ich es, meine Komfortzone zu verlassen und etwas in meinem Leben zu ändern? Wie kann ich etwas ändern, obwohl ich davor Angst habe?“

Gestalte den Veränderungsprozess selbst

Wenn du Veränderung möchtest, ist es wichtig, dass du sie selbst in die Hand nimmst und sie gestaltest. Und zwar so, dass sie für dich gut auszuhalten ist.

Das ist so ähnlich wie beim Sport. Wenn du vollkommen untrainiert heute gleich 15 km laufen willst, könnte das eine ziemlich große Herausforderung werden … Na ja, seien wir ehrlich: Das wäre die totale Katastrophe. Und Spaß wird es dir auch keinen machen.

Dich zu überlasten macht keinen Sinn. Und dieses Prinzip kannst du auf sehr viele Lebensbereiche anwenden. Auch bei deiner Komfortzone.

Konkret heißt das:

  1. Dass du deine jetzige Situation nicht von 0 auf 100 verlassen musst, sondern du kannst es langsam und mit Mini-Schritten tun, die dir nicht wehtun.
  2. Dass du nach Schwierigkeitsstufe vorgehen kannst und nicht gleich mit dem schwersten Teil anfangen musst.

Ja, das klingt erstmal ziemlich logisch und einfach. Aber wie viele Leute machen es wirklich so?

Oder andersrum gefragt: Wenn du es wirklich so machen würdest, wovor hast du dann eigentlich noch Angst?

Vielleicht vor der Entscheidung, etwas zu ändern?

Aber das ist ja der Charme an dieser Vorgehensweise: Du bleibst sehr lange in einer „sicheren Zone“, wo du jederzeit wieder umdrehen kannst.

Mit Strategie aus der Komfortzone

Stell dir mal vor, du bist unzufrieden mit deinem Job. So unzufrieden, dass du merkst: Ja, ich will Veränderung. Ansonsten macht mich das weiter unglücklich.

Aber kündigen willst du eigentlich auch nicht. Du hast immerhin ein Haus abzuzahlen und Kinder zu ernähren.

Wie kannst du aus dieser Zwickmühle jetzt rauskommen?

Was wäre da dein erster Gedanke?

  • Das Gespräch mit deinem Chef zu suchen?
  • Dich anderweitig zu bewerben?
  • Oder gar zu kündigen?

Ja, das sind wahrscheinlich so die Standarddinge, die uns allen gleich einfallen.

Aber das sind alles Beispiel für Schritte, die viel zu groß sind.

Also quasi einen Sprung von 0 auf 50 bedeuten oder sogar mehr.

Und leicht ist das auch nicht unbedingt.

Wer führt schon gern Krisengespräche mit seinem Chef?

Oder bewirbt sich gern neu?

Nicht gerade die einfachsten Lösungen …

Was wieder dazu führt, dass du es aufschiebst, ignorierst, darüber jammerst oder in Tagträumen versinkst … (s. Liste oben).

Wie könnte stattdessen ein Mini-Schritt aussehen, der dir nicht wehtut?

So kommst du ins Handeln

Ein Mini-Schritt, das bedeutet auf der Skala von 0 auf 1 zu gehen. Das ist das Ziel.

Wenn du also unzufrieden in deinem Job bist, könntest du z. B. mal Stift und Zettel zur Hand nehmen und jetzt gleich mal zu Papier bringen, was eigentlich genau dein Problem ist.

Schreib mal auf: Was macht mich an meinem Job unglücklich?

Wenn du ein anderes Problem hast, kannst du das natürlich genauso dafür machen.

Das ist ein Schritt, der dich quasi gar nichts kostet. Nur ein bisschen Zeit und Papier. Aber es ist ein erster kleiner Schritt. Bei dem du für dich selbst mal festhältst, was eigentlich genau los ist.

Was könnte ein weiterer solcher Mini-Schritt sein?

Als Nächstes könntest du das Gleiche nochmal machen und dich dabei aber fragen: Wo will ich eigentlich stattdessen hin? Was wäre ein mögliches Ziel?

Es gibt eine Menge solcher Mini-Schritte, die du nacheinander gehen kannst, ohne dass du dich jemals aus deiner Komfortzone begeben musst.

Und was hat es jetzt mit der Schwierigkeitsstufe auf sich?

Wenn wir das Verlassen der Komfortzone mal in ein Modell packen, dann könnte es so oder ähnlich aussehen:

Komfortzone

  1. Ring (leicht): ich mit mir selbst
  2. Ring (mittel): Freunde
  3. Ring (mittelschwer): andere
  4. Ring (schwer): da, wo die Angst ist

Was sagt dir dieses Modell jetzt?

Ring 1: ich mit mir selbst

In diesem Bereich liegt die Komfortzone, weil hier alles nur Gedankenspiele mit dir selbst sind. Das ist die sichere Zone, hier ist noch nichts Konkretes passiert.

In dem Bereich kannst du z. B. folgende Mini-Schritte gehen:

  1. Dein Problem mal analysieren
  2. Dir überlegen, wo du eigentlich lieber hinmöchtest
  3. Dein „Warum“ klären, damit du Klarheit für dich gewinnst
  4. Dir alle möglichen Optionen verdeutlichen
  5. Dir eigene Deadlines setzen/dich selbst zu etwas verpflichten
  6. Einen Entschluss fassen
  7. Dir überlegen, wie du mit deinen inneren Widerständen umgehen möchtest
  8. … etc.

Ring 2: Freunde

Wenn du im 2. Ring bist, gehst du schon den ersten kleinen Schritt nach außen.

Hier kannst du mit den Menschen sprechen, die dir wohlgesonnen sind. Freunde, Familie, Mentoren.

Bei vielen Menschen macht das was, wenn du zum ersten Mal mit jemand anderem darüber sprichst.

Du könntest hier z. B.:

  1. Dich einem Freund/einer Freundin offenbaren und deine Gedanken mal aussprechen
  2. Dir bewusst die Meinung eines Freundes einholen, darüber kritisch diskutieren
  3. Dich gegenüber einem Freund verpflichten und sagen: „Bis dann und dann möchte ich da einen Schritt weitergekommen sein.“
  4. … etc.

Dieser Ring ist für einige Menschen auch noch leicht und erfordert keine große Überwindung. Für manche Menschen ist das noch Teil ihrer Komfortzone.

Für andere Menschen hingegen ist das überhaupt nicht so, weil es ihnen schwerfällt, sich zu öffnen. Oder weil im Freundeskreis eher nicht über Probleme gesprochen wird.

Was auch immer auf dich zutrifft, passe deine Mini-Schritte für dich so an, dass es zu dir passt.

Ring 3: andere

Im 3. Ring geht es ebenfalls darum, nach außen zu gehen. Hier aber nicht unbedingt mit den Menschen, die mir wohlgesonnen sind, sondern mit „neutralen“ Menschen.

Das könnten Bekannte, Berater, Coaches oder auch der Cousin von Peters Mutter sein. Wer auch immer …

Für manche Menschen ist das noch ein ganz nützlicher Zwischenschritt.

Sich einfach mal auf „neutralen Boden“ zu begeben und sich eine kritischere Meinung von außen zu holen.

Die Schritte, die du dabei gehen könntest, sind ähnlich wie beim 2. Ring.

  1. Dich offenbaren
  2. Dir kritische Meinungen einholen
  3. … etc.

Ring 4: da, wo die Angst ist

Wenn du hier angekommen bist, hast du schon einiges an Veränderungsarbeit geleistet:

  • Du weißt, was du willst und was du nicht mehr willst.
  • Du weißt, was sich ändern müsste.
  • Du hast einen Entschluss gefasst.
  • Du hast darüber mit Freunden gesprochen und dich ausgetauscht.
  • Du hast darüber mit neutralen Bekannten, Coaches oder Beratern gesprochen und dich beraten lassen.

Bis hierhin ist also schon einiges in dir gereift. Vielleicht auch über einige Zeit hinweg.

Jetzt und erst jetzt wird es Zeit, deiner Angst langsam ins Gesicht zu schauen.

Und genau hier beginnt der Bereich, wo es heikel wird.

Weil du ab hier nicht mehr unbedingt einen Rückzieher machen kannst. Was raus ist, ist erstmal raus.

Wie schaffst du also diesen Übergang?

Den Rubikon überqueren – oder auch nicht

Wenn du erstmal an diesem Punkt hier angekommen bist, dann weißt du ganz genau, was dich jede deiner Alternativen „kostet“.

Welchen Preis du also bezahlen musst, wenn du weiter in einem Job bleibst, der dich unglücklich macht. Und welchen Preis du bezahlen musst, wenn du deine Unzufriedenheit äußerst oder sogar kündigst.

Welchen Preis du zahlst, wenn du mit deinem Partner so weitermachst oder ihn um Veränderungen bittest.

Einen Preis wirst du zahlen müssen. Und nun musst du abwägen.

Gehst du den Weg oder nicht? Wartest du lieber noch ein bisschen ab?

Trotz deiner Angst handeln

Falls du dich entscheidest, deiner Angst ins Gesicht zu schauen und deine Komfortzone zu verlassen, dann bedeutet das für dich erstmal Stress.

Aber auch hier kannst du die zwei genannten Prinzipien anwenden, um es dir möglichst einfach zu machen:

  1. Mini-Schritte machen und
  2. mit den leichtesten Schritten anfangen

Nur machst du es für deine Situation jetzt eben noch kleinteiliger.

Indem du dich hier nur auf den nächsten möglichst kleinen, möglichst einfachen Schritt fokussierst.

Das kann konkret heißen:

  • Du hast Angst vor einem Krisengespräch mit deinem Chef?
    Bitte ihn erstmal nur um einen Gesprächstermin. Was du dann genau sagst, bleibt erstmal offen. Vielleicht traust du dich. Und wenn nicht, sprichst du erstmal über etwas anderes.
  • Du hast Angst, deinen Partner vor den Kopf zu stoßen?
    Überleg dir nur einen einleitenden Satz für das Gespräch. Ob du dann alles sagst, was du loswerden willst, oder nicht, das kannst du dann immer noch sehen.
  • Dir rutscht das Herz in die Hose, wenn du nur daran denkst, das Haus zu verkaufen?
    Erstell erstmal ein Angebot in einer Immobilienplattform. Und dann warte ab, was passiert. Ganz unverbindlich.

Jetzt kommst du

Wie genau du die Schritte ausgestaltest, ist natürlich individuell sehr verschieden. In deinem Fall passt vielleicht was ganz anderes viel besser.

Hier ist ein wenig Nachdenken und Kreativität deinerseits gefordert. Weil nur du deine eigenen Grenzen und Ängste kennst. Und nur du weißt, was bei dir geht und was nicht.

Es dir selbst möglichst kleinschrittig und leicht zu machen ist aber eine Strategie, die dich garantiert dahin führt, wo du hinwillst. Weil du so gut wie keine Widerstände überwinden musst und immer im Fluss bleibst.

Wenn du diese Strategie konsequent beherzigst, dann wird es dir gelingen, deine Komfortzone zu verlassen. Trotz deiner anfänglichen Ängste und Bedenken.

Was kennst du sonst noch für Strategien, um dich selbst aus deiner Komfortzone zu holen?

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