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Eine Frage – Eine Antwort – Lebensmitte: Lebenslust oder Lebensfrust?

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In unserer neuen Rubrik „Eine Frage – eine Antwort“ haben wir dieses Mal Susanne Kucklei befragt. Susanne Kucklei macht systemisches Coaching mit Fokus auf die Lebensmitte:

Susanne, wenn Sie einmal auf Ihr Leben zurückblicken: Welches Ereignis bzw. welche Situation hatte nachhaltig den positivsten Einfluss auf Ihr Leben?

Die Lebensmitte, also die Phase zwischen 40 und 60 Jahren, ist mein persönliches Steckenpferd. Diese Lebensphase wird oftmals mit der Pubertät verglichen, da sie für viele Menschen eine Neuorientierung des Lebens bedeutet, eben einen Übergang in die zweite Lebenshälfte. In dieser Lebensphase definieren sich viele von uns noch einmal neu. Vielen Menschen wird dann bewusst, dass die Halbzeit des Lebens erreicht ist, und sie stellen sich die Frage: Was ist auf meinem Lebenskonto vorhanden und was habe ich noch nicht gelebt? Zum anderen wird es deutlich, dass es körperliche Veränderungen gibt (Stichwort Menopause, die in gewisser Weise auch die Männer durchleben) und wenn ich nicht achtsam mit meinem Körper umgehe, wird er mir unverzüglich zurückspiegeln, dass ich über meine Grenzen gehe. Deshalb ist es wichtig, dass man diese körperlichen und oftmals auch seelischen Veränderungen wahrnimmt, mit ihnen gut umgeht und gegebenenfalls auch einen Rollenwechsel für sich selbst und in der Gesellschaft vornimmt. Denn wenn man nicht gut auf sich und die Veränderungen, die man selbst durchmacht, achtet, dann empfindet man schnell eine Art Hamsterrad-Gefühl, weil man weiterhin versucht, so zu leben wie bisher. Das klappt aber in den seltensten Fällen, weil Körper und Seele dann streiken.

Auf dem Weg in die 2. Lebenshälfte

Bei mir entstand das Bewusstsein für diesen Einschnitt in einem Spätsommer vor sechs Jahren. Den Übergang zum Herbst habe ich in dem Jahr besonders intensiv bemerkt. Er fühlte sich für mich anders an. Ich nahm entlang des jahreszeitlichen Wechsels vom Sommer zum Herbst den eigenen Übergang in die Lebensmitte deutlich wahr. Ein Prozess, der auch Trauerarbeit bedeutete und schmerzhaft war. Mir wurden die ersten Anzeichen des Alterns deutlicher (z. B. der Lesebrilleneffekt :-)), meine Eltern erschienen mir hilfsbedürftiger, meine Tochter mehr und mehr unabhängig und mir wurde die Endlichkeit des Lebens bewusst.

Mit diesem Übergang kamen auch neue Fragen in mein Bewusstsein: Was und wer möchte ich in den nächsten Lebensjahrzehnten sein? Mit welchen Dingen möchte ich mich zukünftig mehr und mit welchen weniger beschäftigen? Denn ein Lebensende wurde sichtbar. Vielleicht gerade durch die eigenen Eltern, die das Leben im Alter repräsentieren. Meine Lebensmitte rückte deutlich in mein Bewusstsein und ich wollte mehr darüber erfahren. Ich fing an zu recherchieren und andere Menschen zu befragen, welche Erfahrungen und Gefühle sie mit ihrem Alter machen.

Eine Erfahrung von mir persönlich war, dass ich immer deutlicher festgestellt habe, dass es eine Diskrepanz zwischen der Zeit gibt, die ich für meine persönlichen Lebensthemen zur Verfügung hatte, und den Anforderungen, die ich für andere erfüllen sollte. Die Balance war für mich nicht mehr gegeben und ich habe eine deutliche Unzufriedenheit entwickelt, weil ich einfach nicht genug Zeit hatte, mich um mich selbst zu kümmern.

Die wichtigsten Fragen dabei waren: Wo bleibe ich bei all diesen Anforderungen? Bin ich nur für andere da? Welche Bedürfnisse habe ich persönlich? Warum streikt mein Körper durch vielerlei Stresssymptome? Womit möchte ich mich in der 2. Lebenshälfte mehr beschäftigen und womit immer weniger? Was will ich wirklich?

Was habe ich getan? Erik H. Erikson, ein deutsch-amerikanischer Psychologe, hat es schön zusammengefasst: Menschen in der Lebensmitte stehen vor der Stagnation, also der Resignation im Sinne von: Jetzt ist mein Leben gelaufen! Oder sie schaffen Werte für die kommenden Generationen. Und das hat ganz viel mit Sinn zu tun. Was macht jetzt und in Zukunft für mich Sinn? Wer bin ich jenseits von Erziehung, Tradition und Gesellschaft? Wer bin ich eigentlich? Und wie geht das?

Es hat bildlich damit zu tun, dass wir in der Lebensmitte auf einem Gipfel angekommen sind, der uns in Teilen Mühe gekostet hat, um einen Stand im Leben zu bekommen. Beim Absteigen möchte ich vielleicht Gepäck zurücklassen oder gegen leichtere Dinge austauschen, um eine schöne und zufriedene 2. Lebenshälfte zu leben.

Meine erste Entdeckung war: Raus aus dem Aktionismus, um Zeit für Orientierung zu haben. Ein wichtiger Entschluss war z. B., nicht mehr Vollzeit zu arbeiten.

Will ich bis zur Rente fünf Tage von morgens bis abends arbeiten? Nein, da bleibt mir für mich zu wenig Zeit. Das Geld kann mein persönliches Zeitkonto gar nicht ausgleichen. Ich mag meinen Job als Personalentwicklerin sehr, aber ich möchte noch etwas Eigenes schaffen und nicht nur die Anforderungen eines Unternehmens erfüllen. Klar war, dass ich deutlich weniger Geld zur Verfügung hatte, aber viele Dinge (Kleidung oder ein teurer Urlaub), die ich mir früher leistete, dienten dazu, meine Unzufriedenheit auszugleichen. Wirklicher Luxus ist heute für mich, freie Zeit zu haben, ohne dabei viel Geld auszugeben. Die einfachen Dinge, wie ein Tag in der Natur, kosten wenig! Selber kochen kann viel nahrhafter sein als ein Abendessen in einem Lokal.

Eine zweite wichtige Entdeckung war es, meine Kreativität wieder mehr in den Fokus zu rücken, Neues auszuprobieren oder Altes wiederzuentdecken. Ich habe z. B. das Wandern neu entdeckt. Mitte April habe ich für meinen Übergang ins 51. Lebensjahr eine fünftägige Auszeit genommen und bin alleine den 65 km langen Lahnhöhenweg von Diez nach Lahnstein gewandert. Täglich ca. 15 km über Berg und Tal entlang der sanft strömenden Lahn. Durch die Tatsache, dass ich zu Fuß unterwegs war, erlebte ich die Natur viel intensiver, wurde langsamer und entschleunigte.

Meine Gedanken in diesen Tagen habe ich in einem Schreibheft festgehalten. Oder ich setzte mich spontan ins Gras, um das Leben im Jetzt zu genießen und die Natur um mich herum intensiv wahrzunehmen. Wann habe ich das zuletzt so intensiv getan? Und die Glücksgefühle, die ich dabei empfand, waren sehr tief.

Eine Hummel bei ihrem Flug zu beobachten bewirkte bei mir ein intensives Gefühl von Freude. Der Blick auf die langsam fließende Lahn hat mich beruhigt. Die lecker zubereiteten Speisen und Getränke in einer Winzerstube haben mich genährt und die vielen Frühlingsblumen auf den Wiesen zeigten mir die Kunstfertigkeit der Natur.

Es gab natürlich auch die Einsamkeit des Wanderns ohne Gespräche mit anderen. Oder das Bewusstwerden bei den stetigen Schritten, wen oder was möchte ich in die 2. Lebenshälfte mitnehmen? Trägt meine Partnerschaft dazu bei, dass ich mich weiterentwickle, oder hemmt sie mich bei der Umsetzung meiner Lebenspläne?

Mit diesen Erkenntnissen bin ich Ende April nun wieder hier an meinem Heimatort angekommen und habe auf meiner Wandertour deutlich gemerkt, was mich in meinem Leben nährt und was mich auszehrt. Mit dieser Wanderung habe ich meinen Weg durch die Lebensmitte fortgesetzt und bin nun gespannt, wie sie weiter verlaufen wird. Auf jeden Fall habe ich mehr Bewusstsein für mich entwickelt und bin sicher, dass ich auf einem guten Weg bin, mich selbst dabei immer besser kennenzulernen, ohne immer das zu tun, was andere von mir erwarten. Das ist für mich die wichtigste und wertvollste Erkenntnis, die in meiner Lebensmitte in den Vordergrund gerückt ist.

Die wichtigsten Erfahrungen

Die Lebensmitte ist eine wichtige Chance, sein Leben noch mal – in Teilen – neu zu strukturieren. Jetzt bin ich noch so fit, dass ich viele Dinge, die bislang wenig Raum und Zeit hatten, erleben kann. Dafür braucht man eine Auszeit, wie z. B. eine Wanderung, einen Klosteraufenthalt oder eine kreative Schaffenspause. Es ist eine Typsache, wie man am besten zu sich findet.

Manche sind am liebsten alleine, andere brauchen den Austausch mit anderen, die in der ähnlichen Situation sind. Auf jeden Fall bedeutet es, dass man raus muss aus dem Hamsterrad, um sich auf sich zu besinnen. Für mich war es die Zeit, ganz alleine durch die Natur zu wandern, wenig Austausch, sondern nur mit mir. In wenigen Worten könnte ich es so beschreiben: bewusst werden, anhalten, neue Wege finden und sie dann gehen.

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