Den inneren Kritiker zähmen: eine einfache Methode

Wenn wir in einer kniffeligen Situation stecken, dann kann uns ein guter Freund, ein Mentor, Coach oder manchmal sogar ein Fremder mit den richtigen Worten aus dem Sumpf unserer destruktiven Gedanken ziehen.

Nur leider haben wir nicht immer einen guten Freund oder einen Coach in Reichweite, wenn wir ihn brauchen. Das ist auch gar nicht immer nötig. Denn wir können lernen, uns auch in schwierigen Situationen selbst gedanklich in eine bessere und konstruktive Richtung zu bewegen.

Wie geht das?

Dazu gibt es eine sehr nützliche Selbstcoaching-Technik: „das konstruktive Selbstgespräch“.

In unserem Projekt: „Innere Stärke“ lernen die Teilnehmer, wie sie dieses konstruktive Selbstgespräch bei Zweifeln, Selbstzweifeln, Durchhalteproblemen, unnötigen Sorgen und anderen negativen Mustern anwenden können, um sich selbst wieder auf eine bessere Spur zu bringen.

Heute möchten wir anhand des Themas „innerer Kritiker“ zeigen, wie so ein konstruktives Selbstgespräch aussehen könnte.

Hier zeigen wir Ihnen ein vorgefertigtes Selbstgespräch.

Normalerweise sollte man sich eher sein ganz persönliches Selbstgespräch wie ein Puzzle aus konstruktiv/lösungsorientierten Bausteinen zusammensetzen, weil es dann mehr auf einen selbst zugeschnitten und wirksamer ist.

Aber auch dieses vorgefertigte Selbstgespräch hilft in vielen Fällen, wenn man einen Anfall von Selbstkritik hat. Und Sie können es auch für Ihre Zwecke anpassen, so dass es besser für Ihre Situation passt. Seien Sie kreativ und experimentierfreudig.

Also … drucken Sie sich das Selbstgespräch am besten aus und versuchen Sie es zu verinnerlichen, so dass Sie es sinngemäß in der Selbstkritik-Situation parat haben.

Und vielleicht stellen Sie sich auch kurz vor, dass Sie das nächste Mal, wenn Sie sich gerade selbst fertig machen, zu sich selbst sagen …

„STOPP … Das bringt mich doch nicht weiter … ich führe jetzt lieber ein konstruktives Selbstgespräch.“

Dann lesen Sie sich das ausgedruckte Gespräch durch.

So … hier ist es, das konstruktive Selbstgespräch.

— snip —

Das ist eine Nachricht an mich selbst ( ________ meinen Namen einsetzen) und ich schreibe zu einer kraftvollen und guten Zeit, in der ich klar sehe und einen guten und realistischen Blick auf mich habe. Und ich schreibe für eine Zeit, die ich dann vielleicht gerade für einen kurzen Augenblick als schwierig erlebe. Eine Zeit, in der ich mich frustriert oder traurig fühle oder wo ich mich über mich selbst ärgere. Was natürlich vollkommen in Ordnung ist.

Ich lese mir das jetzt vor, weil ich einen Teil von mir gerade nicht leiden kann. Vielleicht habe ich etwas getan, was nicht so optimal war. Oder vielleicht bin ich gerade an etwas gescheitert. Oder vielleicht bin ich enttäuscht von mir selbst. Und ich fühle mich dementsprechend. Was natürlich wirklich absolut o. k. ist. Ich darf mich für einen Augenblick fühlen, wie ich mich fühle. Ich kann den Gefühlen erlauben, da zu sein. Alles ist richtig. Alles darf da sein.

Ich will mich aber auch nicht in den Gefühlen verlieren. Ich kann sie wahrnehmen. Ich kann sie sehen. Und ich kann vielleicht auch einen Schritt neben mich machen und mich selbst beobachten, wie ich die Gefühle fühle.

Während ich den Gefühlen erlaube, da zu sein, merke ich vielleicht auch ein klein wenig, wie sie ihre Kraft verlieren, denn wenn man aufhört zu kämpfen, dann geht es einem automatisch besser. Gerade wenn man einen Kampf kämpft, den man nicht gewinnen kann. Wenn man einen Kampf gegen sich selbst kämpft.

Ich kritisiere mich gerade selbst und es gibt dafür bestimmt gute Gründe. Etwas ist passiert und das werfe ich mir jetzt gerade vor. Das ist normal. Das geht vielen Menschen so.

Und wenn ich ehrlich bin, dann nützt das tatsächlich niemandem etwas, wenn ich mich selbst fertig mache. Ich mache dadurch nichts besser. Für niemanden. Es nützt den anderen da draußen nichts. Niemand hat etwas davon, wenn ich mich selbst beschimpfe und mich doof finde. Ich kann das machen. Es ist allein meine Sache. Ich darf das. Es geht niemanden etwas an. Aber es ist eben nur ein Spiel, das ich mit mir selbst und ausschließlich mit mir selbst spiele. Ein Kreisen um mich. Ohne Ergebnis. Ohne Resultate. Ich schaue nur auf das Schlechte und daraus entsteht selten etwas Gutes. Was absolut o. k. ist, wenn es das ist, was ich will. Ich kann ja tun, was ich will. Und ich sauge mir damit die Kraft aus meinen Knochen und vernichte meine eigene schöpferische Kraft. Ich mache mich damit kleiner. Ich zerstöre meine Handlungsfähigkeit, Hoffnung und meine Energie.

Mein innerer Kritiker ist natürlich kein schlechter Teil von mir. Er will mich ganz sicher nur beschützen. Vielleicht vor Enttäuschung. Vielleicht davor nicht ausgelacht zu werden. Oder vielleicht davor, nicht abzuheben und dann tief zu fallen. Mein innerer Kritiker hat gute Gründe für das, was er tut.

Aber er ist vielleicht auch ein bisschen wie ein Kind, das nur das Beste will und dabei genau das Gegenteil erreicht. Gut gemeint, aber nicht wirklich hilfreich.

Tatsächlich habe ich es schon oft erlebt, dass meine Meinung und meine Stimmung von ganz vielen Faktoren abhängen. Von meinem Seelenzustand, meinem Erschöpfungsgrad, meinem Energielevel, kürzlich geschehenen Ereignissen, von meinen Hormonen oder von meiner Körperchemie. Und ich habe erlebt, dass ich an einem anderen Tag ganz anders auf die gleiche Sache schauen kann.

Was mir an einem Tag vollkommen doof erschien, fand ich am nächsten Tag vollkommen o. k. Oder umgekehrt. Was ich heute kritisiere, finde ich vielleicht morgen schon ganz anders. Wer will es genau wissen.

Deswegen schreibe ich heute aus der Vergangenheit an mich selbst: __________ (Mein Name), sei bitte nicht so hart zu dir. Das hast du nicht verdient. Du bist o. k., wie du bist, auch wenn du – wie jeder andere auch – deine Ecken und Kanten, deine Schwächen und wunden Punkte hast. Wie jeder andere auch eben.

Und jetzt kannst du vielleicht mal einen tiefen Atemzug nehmen und dich selbst in Ruhe lassen. Lass deinen inneren Kritiker mal ein bisschen schlafen. Er kann ja morgen wieder etwas sagen. Für heute ist genug kritisiert.

Danke fürs Zuhören. Und alles Gute.

— snip —

Wie gesagt: Vielleicht verinnerlichen Sie dieses Gespräch oder Sie drucken es aus, falten es zusammen und tragen es für den Notfall immer bei sich.

Denn so ein gutes, konstruktives Selbstgespräch in dieser Form kann einen in Krisenzeiten sehr wirkungsvoll wieder aufrichten.

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