Ausmisten als aktive Persönlichkeitsentwicklung

 

Geht Ihnen das auch so? Schränke voller Sachen, Schreibtisch voller Papier, Kopf voller Unerledigtem …

Aber keine Sorge, Sie sind nicht allein: Im Durchschnitt besitzt jede(r) von uns ca. 10.000 Dinge – die meisten davon benutzen wir nie. Dieser Kram beschwert uns, im wahrsten Sinne des Wortes. Dabei ist es ungemein befreiend, Stapel loszuwerden. Entrümpeln kann sogar helfen, unsere Träume in Erfüllung gehen zu lassen! Denn wo soll das Neue einen Platz in unserem Leben finden, wenn alles voll ist mit Altem?

Falls Sie also ein „Ich müsste mal wieder den Keller/Speicher/Schrank … durchsortieren“-Projekt schon einige Zeit vor sich herschieben, weil Sie das als eine lästige Arbeit empfinden, kommt hier eine neue Perspektive: Dinge auszusortieren ist ein lebensveränderndes Werkzeug der persönlichen Entwicklung …

Wer außen Ordnung schafft, schafft auch im Inneren Ordnung

Wenn wir etwas in unserem Haushalt aufgeräumt haben, dann entsteht ein Vakuum, das wir mit Neuem füllen können. Genauso verhält es sich im Leben: Erst, wenn wir hier die Dinge aussortiert haben, die wir nicht mehr brauchen, haben wir Platz für Neues: Die Dinge, die wir wirklich brauchen. Deshalb ist im Leben genau wie im Aussortieren eine wichtige Zutat die Zielfokussierung: Wenn wir uns im Klaren darüber sind, was wir in unser Leben einladen wollen (das kann eine neue Freundschaft sein, eine berufliche Weiterentwicklung, mehr Zeit zum Lesen …), füllen wir das entstandene Vakuum nicht wieder mit mehr Papier oder mehr vom Alten, sondern mit erwünschtem Neuen. Probieren Sie’s aus: Räumen Sie mit einer klaren Vorstellung im Kopf eine Schublade aus – und staunen Sie dann einige Zeit später, was sich auch in Ihrem Leben verändert.

Denn beim Durchsehen einer Kiste üben wir den Umgang mit großen Themen, mit tiefgreifenden psychologischen und philosophischen Konzepten: Loslassen, Entscheidungen treffen, Veränderung bewusst und konstruktiv leben, Prioritäten setzen.

Wir machen in selbstgewähltem Tempo zaghafte erste Schritte hin zum Abschiednehmen – eine Lebenskunst, die früher oder später von uns eingefordert werden wird. Indem wir lernen, zu einer alten Tasse oder einem vergilbten Foto auf Nimmerwiedersehen zu sagen, gewöhnen wir uns an das Gefühl, das uns bei jeder Veränderung begleitet: die Trauer. Beim Abtragen von Papierstapeln arbeiten wir uns Zettel für Zettel durch zu mehr Durchblick, weg vom oberflächlichen „Wo soll ich das aufheben?“ hin zu einem tiefergehenden „Warum hebe ich das noch auf?“.

Und anhand dieser konstanten Minischritte trainieren wir eine der essentiellsten Fähigkeiten: die Kunst, Entscheidungen zu treffen. Und bemerken dann, dass wir ihnen nicht mehr länger aus dem Weg gehen. Dass uns die Monate nicht mehr durch die Finger rinnen, dass Klarheit einzieht, wo vorher die Stapel gewohnt haben.

Ein Beispiel:

Christiane ist 34, hat einen 8-jährigen Sohn und ist seit 6 Monaten alleinerziehend. Als ihr Mann sich vor einem halben Jahr von ihr getrennt hat, ist für sie eine Welt zusammengebrochen. Lange fiel es ihr schwer, loszulassen, und sich wieder für das Gute in Ihrem Leben zu öffnen. In jedem Raum befanden sich Erinnerungen an ihn, die in ihr einerseits Schmerz hervorriefen und andererseits wohlige Erinnerungen. Dass es so nicht weitergehen kann, war ihr durchaus bewusst. Und sie wünschte sich, Ihre Gefühle loslassen zu können. Aber wie?

So fing sie dann vor 2 Monaten an, in kleinen Schritten erst einmal die Dinge loszulassen, die sie materiell mit Walter verbindet. All die vielen Erinnerungen, die noch von ihrem gemeinsamen Leben zeugen.

Eine große Aufräumaktion beginnt, im außen und im Inneren. Mit jedem Foto, das von der Wand verschwindet, mit jeder kleinen Umstrukturierung, trennt sie sich ein kleines Stück mehr von Walter. Sie lernt loszulassen und nimmt Abschied. Und nicht nur Ihre Wohnung ist es jetzt aufgeräumter, auch sie selbst ist es.

Ja, werden Sie sich jetzt sagen, wenn das Loslassen von altem Kram so vielversprechend ist, warum lagern dann bei mir weiterhin so viele Dinge, aus denen ich schon lange „herausgewachsen“ bin?

Kram kann eine Schutzmauer sein, die sich wie eine extra Schicht zwischen uns und den großen Fragen auftürmt und uns eine Auseinandersetzung mit all dem erspart, was sich nicht einfach wegsortieren lässt. Wenn wir ständig damit beschäftigt sind, unser Zeugs vom Keller in den Speicher und zurück zu räumen, kruschteln wir uns in einem gemütlichen Tempo durch die Tage (Wochen, Jahre …) und beschränken uns auf die relativ einfachen Fragen wo und wie (… kann ich meine Zeitschriften/Lose-Blatt-Sammlungen/Schuhe/Ordner am besten verstauen?).
So haben wir auch keine Zeit, uns mal hinzusetzen und einer Leere ins Gesicht zu starren, mit ihren unangenehmen Fragen. „Wie kann ich mein volles Potential leben? Was sind meine großen Träume? Was möchte ich in meinem Leben wirklich erreichen?“

Aussortieren bringt uns zurück auf den Weg, der zu einem Ziel führt. Wo uns die Wochen nicht mehr durch die Finger rutschen.

Kleine Schritte statt Großprojekte

Das Wichtigste ist, sich den Spaß nicht durch unrealistisch groß angelegte Projekte zu verbauen. Wenn wir zu viel auf einmal anpacken, überwältigen uns die Emotionen und die Energie reicht nur noch dazu aus, alles schnell wieder zurückzustopfen. Weil wir es nie „nur“ mit Dingen zu tun haben, sondern an jedem Stück so viele Pläne, Erinnerungen oder Hoffnungen hängen. Jeder Gegenstand erzählt eine Geschichte, ein Stück unserer Geschichte. Also nie mehr frustriert eine Riesenaktion abbrechen, stattdessen ganz klein anfangen, dann macht es auch Freude. Das Projekt in überschaubare Einzelschritte unterteilen und so erst möglich machen: nicht das ganze Regal, sondern nur ein Fach in Angriff nehmen; 20 Bücher durchsehen, einen einzigen Aktenordner, einen Karton.

Vom Wollen zum Machen

Wie aufräumen geht, wissen Sie selbst. Alles, was Sie dazu brauchen, sind 10 Minuten und ausreichend Motivation, um die Hürde „Anfangen“ zu nehmen. Machen Sie sich nichts vor mit vagen Versprechungen wie „Wenn ich mal Zeit habe/wenn die Kinder im Bett sind/am Wochenende räume ich den Schreibtisch auf“. Stattdessen machen Sie einen Termin mit sich selbst aus. Das vage „Irgendwann mal“ wird durch den Eintrag einer 20-minütigen Aufräum-Session im Kalender beendet. Jetzt gleich. Am Montag um 19:30 Uhr haben Sie Zeit, 20 Minuten sind machbar und der Erfolg (erster Ordner geschafft!) gibt Ihnen den Energieschub fürs nächste Projekt.

Gönnen Sie sich die 10 Minuten, die es dauert, eine Schublade aus- und dann wieder sinnvoll einzuräumen. Sehr zu empfehlende Nebenwirkungen sind das Gefühl, den Überblick zurückzugewinnen. Im Haushalt, aber auch in Ihrem Leben. Denn ganz automatisch tauchen die ganz großen Fragen auf: Wo will ich hin in den nächsten Jahren? Was ist der erste kleine Schritt, jetzt gleich?

Ausmisten wird verkannt – in Wirklichkeit ist das Aufräumen ein Wohlfühlgeheimtipp! Die glamouröseste, glückbringendste Beschäftigung – Sie werfen Ballast ab und gewinnen dadurch an Energie und Lebensfreude.

Probieren Sie’s aus, am besten jetzt gleich! – Die erste Schublade freut sich darauf, mit Ihnen den ersten Schritt in eine neue Leichtigkeit des Seins zu wagen.

Happy clearing!

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